Deutsche Statistiken sind erschreckend: Der durchschnittliche Deutsche kauft 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr, von denen ein Drittel nur ein- oder zweimal getragen wird. Ähnlich sieht es mit Elektronik, Möbeln und Deko aus. Wir sind von Dingen überflutet, aber irgendwie nicht glücklicher. Bewusster Konsum ist ein Gegenmittel zur Konsumkultur. Es geht nicht um Askese und das Tragen von löchrigen Socken, sondern darum, Geld für wirklich Wichtiges auszugeben und es nicht für unnötigen Kram zu verschwenden, der in einem Monat auf der Mülldeponie landet. In Deutschland wird dieser Trend sowohl von der Umweltbewegung als auch vom Secondhand-Shopping unterstützt – denn Qualität zahlt sich aus.
Der erste Schritt zu bewusstem Konsum ist, vor dem Kauf innezuhalten. Wenden Sie die 30-Tage-Regel an: Wenn Sie etwas kaufen möchten, das nicht unbedingt notwendig ist, schreiben Sie es auf eine Liste und warten Sie einen Monat. Lesen Sie die Liste nach 30 Tagen erneut. 80 % Ihrer Dinge werden Ihnen überflüssig erscheinen. Für die verbleibenden 20 % sollten Sie sich fragen: „Wo werde ich das aufbewahren? Wie oft werde ich es benutzen? Habe ich schon etwas Ähnliches?“ Sind die Antworten klar, kaufen Sie es. Wahrscheinlich verfliegt der Wunsch aber nach einem Monat, da er impulsiv war, durch Werbung oder Langeweile ausgelöst wurde. In deutschen Familien nennt man diese Methode „Einkaufsliste mit Bedenkzeit“, und sie sparen damit erfolgreich Hunderte von Euro im Jahr.
Das zweite Prinzip lautet: Eins rein, eins raus. Wenn Sie ein neues Paar Schuhe kaufen, spenden Sie die alten (sofern sie noch gut erhalten sind) an einen Secondhandladen oder verkaufen Sie sie auf eBay. So behalten Sie die Anzahl Ihrer Besitztümer im Griff und überlegen zweimal, bevor Sie etwas kaufen: „Bin ich bereit, mich von meinen Lieblingsschuhen für diese zu trennen?“ Diese Regel gilt für Kleidung, Bücher, Geschirr und technische Geräte. Ausgenommen sind Sammlerstücke, aber auch diese Sammlung sollte begrenzt sein (zum Beispiel nicht mehr als 10 Tassen). Sonst wird das Haus zum Lagerraum.
Die dritte Säule lautet: Reparieren statt Ersetzen. Deutschland hat eine ausgeprägte Reparaturkultur: Es gibt Werkstätten für alles, von der Kaffeemaschinenreparatur bis zum Sofabezug. Jede Stadt veranstaltet einmal im Monat ein Repair Café – eine kostenlose Veranstaltung, bei der Freiwillige helfen, einen Toaster, ein Fahrrad oder eine Jeans zu reparieren. Anstatt ein kaputtes Gerät wegzuwerfen, bringen Sie es einfach dorthin. Das Problem ist oft in 15 Minuten und für 2 Euro pro Ersatzteil gelöst. Reparierte Gegenstände halten jahrelang, und Sie haben das gute Gefühl, Ressourcen zu schonen. Außerdem entwickeln Sie durch das Reparieren handwerkliche Fähigkeiten und gewinnen ein Gefühl der Unabhängigkeit – Sie müssen nicht mehr ständig in den Laden rennen, wenn etwas kaputtgeht.
Bewusster Konsum: Wochenmenüplanung. Die Deutschen werfen jährlich 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weg – das ist jedes dritte gekaufte Produkt. Die Gründe dafür sind Spontankäufe, große Verpackungen und mangelnde Planung. Nehmen Sie sich sonntags 20 Minuten Zeit: Öffnen Sie den Kühlschrank, schauen Sie nach, was bald verdirbt, und planen Sie mit diesen Lebensmitteln Ihren Wochenmenüplan. Kaufen Sie nur, was Sie wirklich brauchen. Gehen Sie niemals hungrig in den Supermarkt – sonst verlassen Sie ihn garantiert mit Chips, Keksen und unnötigen Soßen. Deutsche Familien nutzen gerne den „Essensplan an der Kühlschranktür“ – einen Wochenplan, der an einem Magneten hängt. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit bei der täglichen Qual der Frage: „Was soll ich kochen?“
