Gärtnern für Berufstätige: Wie Sie in nur 15 Minuten täglich Microgreens, Kräuter und sogar Tomaten auf Ihrem Balkon anbauen

von Rolf Schreiber

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Viele denken, ein Garten bedeute, jede freie Minute mit der Hacke zu verbringen. Doch urbanes Gärtnern hat sich längst zu einem cleveren und platzsparenden Hobby entwickelt. Selbst auf einem zwei Quadratmeter großen Balkon können Sie genug Grünzeug anbauen, um Salate das ganze Jahr über mit frischem Basilikum, Rucola oder Koriander zu verfeinern. Das Geheimnis liegt in der Wahl der richtigen Pflanzen und der automatischen Bewässerung. In Deutschland, wo Wohnungen mit Garten ein Luxus sind, erlebt das Gärtnern auf dem Balkon einen regelrechten Boom, insbesondere nach der Pandemie, als viele die Freude am Wachsen und Gedeihen wiederentdeckten.

Beginnen Sie mit Microgreens – sie sind die lohnendsten Pflanzen für Anfänger. Samen von Radieschen, Brokkoli, Sonnenblumen oder Erbsen kosten fast nichts (bei DM oder Rossmann gibt es Sets für 2–3 Euro), und die Ernte erfolgt bereits nach 7–10 Tagen. Man braucht nicht einmal Erde: Ein Glas oder ein Plastikbehälter mit Siebdeckel genügt. Die Samen über Nacht einweichen, abspülen und auf einem feuchten Mulltuch verteilen – und schon nach einer Woche hat man eine Handvoll knackiger Sprossen mit der zehnfachen Vitaminkonzentration ausgewachsener Pflanzen. Viele Berliner Büros haben solche Gläser auf ihren Schreibtischen – sie wirken beruhigend.

Für Kräuter auf der Fensterbank eignen sich Hydrokultursysteme am besten. Ein günstiges Set von IKEA (VAXER oder KRYDDA) besteht aus einer Pflanzenlampe und Töpfen mit Blähton. Wasser mit Flüssigdünger zirkuliert in einem geschlossenen Kreislauf und muss nur alle zwei Wochen gewechselt werden. Basilikum, Minze, Thymian und Rosmarin wachsen wie verrückt – man kann jede Woche ernten. Es gibt keinen Dreck, keine Trauermücken in der Erde, und man kann sogar drei Wochen in Urlaub fahren – die Pflanzen überleben dank des Wasserreservoirs. In deutschen Wohnungen mit Zentralheizung, wo die Luft im Winter trocken ist, rettet die Hydrokultur Kräuter vor dem Vertrocknen.

Aber was, wenn Sie echte Tomaten möchten? Wählen Sie Zwergtomaten, die speziell für Balkone gezüchtet wurden. Zum Beispiel ‚Balkonstar‘ oder ‚Tiny Tim‘ – sie werden nicht höher als 30 Zentimeter, aber eine einzelne Pflanze kann bis zu zwei Kilogramm Kirschtomaten tragen. Der Topf sollte mindestens 5 Liter fassen und am Boden mit Blähton ausgekleidet sein. Am wichtigsten ist, nicht zu viel zu gießen: Prüfen Sie die Feuchtigkeit, indem Sie Ihren Finger bis zur Fingerspitze in die Erde stecken. Ist sie trocken, gießen Sie, am besten stellen Sie den Topf aber für 20 Minuten in eine Schüssel mit Wasser. In deutschen Gartencentern (Dehner, Toom) beraten Sie die Fachberater gerne zu Sorten, die für Ihre Region geeignet sind.

Automatische Bewässerung ist ideal für alle, die wenig Zeit haben. Das einfachste System: Eine Plastikflasche mit kleinen Löchern im Deckel, kopfüber in den Topf gesteckt, bewässert die Wurzeln 5–7 Tage lang langsam. Eine elegantere Lösung sind Keramikkegel (z. B. von Blumat), die als Bewässerungsgefäße dienen: Der Kegel wird in die Erde gesteckt, ein Schlauch in einen Eimer mit Wasser gehängt, und die Pflanze reguliert die Feuchtigkeit selbst durch osmotischen Druck. Diese Kegel kosten etwa 10 Euro pro Stück, amortisieren sich aber schon durch die vielen Blumen, die sie während ihrer ersten Reise retten.

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