Ein Instrument lernen als Erwachsener: Wie man von Grund auf anfängt und nicht nach einem Monat aufgibt

von Rolf Schreiber

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„Ich bin zu alt, um Klavier zu lernen“ ist der weitverbreitete Irrglaube, der Millionen Erwachsene davon abhält, ihren Kindheitstraum zu verwirklichen. Neurowissenschaftler haben längst bewiesen, dass das Gehirn in jedem Alter neuroplastisch ist. Ja, ein Kind lernt Tonleitern schneller, aber ein Erwachsener hat Selbstdisziplin, ein Verständnis für Musiktheorie und – was am wichtigsten ist – den echten Wunsch, nicht den Zwang der Eltern. In Deutschland, wo Musikschulen spezielle Programme für Erwachsene anbieten und es in jeder Stadt Instrumentenverleihe gibt, sind die Einstiegshürden minimal. Der Schlüssel liegt in der Wahl des richtigen Instruments und einem realistischen Plan.

Welches Instrument sollten Sie wählen, wenn Sie noch nie ein Instrument gespielt haben? Die Ukulele ist der absolute Champion für Anfänger. Sie hat nur vier Saiten (im Gegensatz zu sechs bei einer Gitarre), Nylonsaiten schneiden nicht in die Finger, Akkorde lassen sich leichter greifen, und für ein einfaches Lied braucht man nur drei Akkorde: C, F und G. In zwei Wochen, 15 Minuten täglich, kann man sich schon selbst zu „Hallelujah“ begleiten. Ukulelen gibt es in deutschen Musikgeschäften (z. B. Thomann, Music Store) schon ab 40 Euro für ein gutes Modell. Und sie sind platzsparend – man kann sie sogar in Zügen mitnehmen.

Die zweite Möglichkeit ist ein Digitalpiano mit gewichteten Tasten. Nicht zu verwechseln mit einem Synthesizer: Synthesizer haben leichte, federbelastete Tasten, die keine gute Spieltechnik fördern. Gewichtete Tasten ahmen die Spielweise eines echten Flügels nach: Je fester man drückt, desto lauter der Ton. Das günstige Casio CDP-S110 kostet etwa 350 Euro, aber man kann es gebraucht auf Kleinanzeigen schon für 150 Euro kaufen. Dieses Klavier hat einen Kopfhöreranschluss – spielen Sie also um Mitternacht, ohne Ihre Nachbarn im Mehrfamilienhaus zu stören. Das ist besonders wichtig bei deutschen Altbauklavieren mit dünnen Wänden.

Für erwachsene Anfänger empfiehlt sich eine akustische Gitarre mit Nylonsaiten (klassisch), keine Metallgitarre. Metallsaiten schneiden in die Finger, bis sie bluten, und viele geben nach zwei Wochen auf. Nylonsaiten sind weich, und Hornhaut bildet sich allmählich und schmerzfrei. Die Yamaha C40 ist der Standard für Anfänger und kostet etwa 120 Euro. Besorgen Sie sich unbedingt einen Kapodaster (Klemme, 10 Euro) – damit können Sie die Tonart wechseln, ohne neue Akkorde lernen zu müssen. Und kaufen Sie keine billigen Gitarren für 50 Euro bei Aldi: Sie sind schlecht gestimmt und haben eine hohe Saitenlage, was das Spielen zur Qual macht.

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