Digitale Fotografie für Anfänger: Schluss mit dem Automatikmodus – hin zu mehr Achtsamkeit im Bildausschnitt

von Rolf Schreiber

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Smartphones haben uns gelehrt, Tausende von Fotos zu machen, doch die meisten landen im Ordner „Zuletzt verwendet“ und werden nie wieder geöffnet. Bewusstes Fotografieren bedeutet nicht, eine teure Kamera zu kaufen, sondern Licht, Komposition und den Moment zu erkennen. In Deutschland, wo die Natur mit ihren kontrastreichen Landschaften (von der Nordseeküste bis zu den Alpen) und die Architektur sowohl gotische als auch Bauhaus-Stile bietet, sind die Übungsmöglichkeiten schier unendlich. Und Sie können sofort mit dem loslegen, was Sie gerade zur Hand haben.

Zuallererst: Schalten Sie den Automatikmodus aus. Er wählt immer den goldenen Mittelweg: mittlere Verschlusszeit, mittlere Blende, mittlere ISO. Das Ergebnis sind technisch einwandfreie, aber langweilige Fotos. Aktivieren Sie stattdessen den Programmmodus (P) – damit können Sie Weißabgleich und Belichtungskorrektur manuell anpassen. Oder wählen Sie gleich den Blendenautomatikmodus (A) – der einsteigerfreundlichste Modus. Die Blende steuert die Hintergrundunschärfe: Je kleiner der Wert (z. B. f/1.8), desto unschärfer ist der Hintergrund und desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Für Porträts verwenden Sie f/2.8 bis f/4, für Landschaftsaufnahmen f/8 bis f/11.

Licht ist das A und O der Fotografie. Die goldene Regel: Fotografieren Sie in den ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang und den letzten zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Zu diesen Zeiten steht die Sonne tief, das Licht ist weich und warm, und die Schatten sind lang und dramatisch. Die „goldenen Stunden“ in Deutschland verschieben sich im Laufe des Jahres – die Photopills-App (ca. 10 Euro, aber jeden Cent wert) zeigt Ihnen die genauen Zeiten für Ihren Standort an. Mittags, wenn die Sonne ihren Höchststand erreicht, sollten Sie Ihre Kamera besser weglegen – harte Schatten unter den Augen und überbelichtete Stellen auf der Stirn ruinieren jedes Porträt. Wenn Sie tagsüber fotografieren müssen, suchen Sie nach dem Schatten eines Baumes oder Gebäudes.

Komposition: Vergessen Sie die Drittelregel, wie sie in der Schule gelehrt wird. Teilen Sie das Bild zwar gedanklich in neun Teile und platzieren Sie den Horizont auf einer der Linien. Das eigentliche Geheimnis sind Führungslinien. Eine Straße, ein Zaun, ein Fluss, ein Schatten – alles, was den Blick des Betrachters ins Bild lenkt. In deutschen Städten bieten sich dafür beispielsweise Straßenbahnschienen, die sich in die Ferne erstrecken, oder die langen Korridore alter Gebäude an. Fotografieren Sie aus einem niedrigen Winkel – dadurch wirken die Linien markanter. Und scheuen Sie sich nicht, die Regel zu brechen: Manchmal ist ein perfekt symmetrisches Bild mit dem Motiv in der Mitte besser (zum Beispiel der Kölner Dom, exakt achsenparallel fotografiert).

Fokus und Schärfentiefe. Der Autofokus wählt oft das nächstgelegene Objekt mit hohem Kontrast, aber manchmal benötigen Sie etwas anderes. Lernen Sie, den Fokuspunkt mit dem Finger zu verschieben (auf einem Smartphone tippen Sie auf den Bildschirm, bei einer Kamera verwenden Sie den Joystick). Bei einem Porträt sollte der Fokus immer auf den Augen liegen, die der Kamera am nächsten sind. Sind die Augen unscharf, löschen Sie das Foto, selbst wenn alles andere perfekt ist. Für dynamische Motive (Kinder, Tiere) verwenden Sie den kontinuierlichen Autofokusmodus AI Servo (Canon) oder AF-C (Nikon). Die Kamera passt sich ständig der Bewegung des Motivs an – und Sie fangen endlich das perfekte Lächeln ein.

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