Emotionale Verfügbarkeit: Wie Sie lernen, einander näherzukommen und nicht länger der Fels in der Brandung zu sein

von Rolf Schreiber

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Der fünfte Schritt ist, ein Ritual der Gefühlsprüfung einzuführen. Fragen Sie sich zum Beispiel einmal täglich beim Abendessen: „Wie geht es dir wirklich? Nicht ‚normal‘, sondern ehrlich.“ Die Antwort kann einfach sein: „Müde“, „Gereizt“, „Traurig“. Sie müssen es nicht sofort analysieren. Nehmen Sie es einfach wahr. Deutsche Familienberater nennen dies „emotionalen Puls“. Es kostet nicht viel Zeit, aber es schafft eine Gewohnheit der Ehrlichkeit. Nach einem Monat werden Sie merken, dass Sie leichter über Ihre Gefühle sprechen können, ohne die anfängliche Hemmung.

Der sechste Schritt besteht darin, Abwehrmechanismen zu erkennen und zu hinterfragen. Humor, Sarkasmus, Verharmlosung und Themenwechsel – all das sind Wege, um echten Gefühlen auszuweichen. „Ach komm schon, warum bist du so aufgebracht?“ ist abwertend. Achte darauf, wann du in die Defensive gehst. Sag stattdessen bewusst: „Es fällt mir schwer, jetzt darüber zu sprechen, weil es mir peinlich ist. Aber ich werde es versuchen.“ Offenheit ohne Abwehr bedeutet emotionale Verfügbarkeit. Das heißt nicht, dass du dich jeden Abend bei deinem Partner ausweinen musst. Es bedeutet, dass du dich nicht hinter einer Maske versteckst.

Schritt sieben: Grenzen setzen. Emotionale Verfügbarkeit bedeutet nicht, rund um die Uhr erreichbar zu sein. Du hast das Recht zu sagen: „Ich bin zu müde, um jetzt zuzuhören. Lass uns in einer Stunde reden, wenn ich mich ausgeruht habe.“ Wichtig ist, das nicht abzutun oder zu schweigen, sondern den Grund ehrlich zu nennen und einen alternativen Zeitpunkt vorzuschlagen. Das zeigt deinem Partner, dass du ihn nicht ignorierst, sondern dass dir die Qualität des Gesprächs wichtig ist. In der deutschen Kultur verbindet sich Respekt vor der persönlichen Zeit mit Direktheit, weshalb diese Art der Kommunikation gut ankommt.

Schritt acht: Körperliche Nähe als Brücke zu emotionaler Nähe. Umarmungen, Rückenmassagen und Händchenhalten setzen Oxytocin, das Bindungshormon, frei und senken den Cortisolspiegel. Wenn es Ihnen schwerfällt, über Ihre Gefühle zu sprechen, beginnen Sie mit wortloser Berührung. Setzen Sie sich einfach nebeneinander und legen Sie Ihre Hand auf das Knie Ihres Partners. Nach ein paar Minuten werden Sie sich wohler fühlen, sich zu öffnen.

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