Notfall-Selbsthilfetechniken: Was tun bei Panik oder Wut?

von Rolf Schreiber

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Manchmal werden Gefühle so überwältigend, dass man die Kontrolle verliert. Das Herz rast, die Atmung fällt schwer, die Gedanken wirbeln durcheinander, und man möchte am liebsten schreien oder weinen. In solchen Momenten ist es unmöglich, Probleme zu lösen oder konstruktiv mit dem Partner zu sprechen. Notfall-Selbsthilfetechniken sind unerlässlich – einfache körperliche Maßnahmen, die das Nervensystem vom Kampf-oder-Flucht-Modus in den Ruhe-und-Verdauungs-Modus versetzen. In der Psychologie nennt man dies „Soforthilfe bei emotionaler Überflutung“. Halten Sie diese Techniken griffbereit.

Quadrat-Atemtechnik: Vier Sekunden lang einatmen, vier Sekunden lang den Atem anhalten, vier Sekunden lang ausatmen, vier Sekunden lang den Atem anhalten. Fünf- bis zehnmal wiederholen. Dies aktiviert das parasympathische Nervensystem, das für die Beruhigung zuständig ist. Das Zählen lenkt das Gehirn von panischen Gedanken ab. Sie können es überall machen: im Auto, auf der Toilette im Büro, im Schlafzimmer nach einem Streit. Deutsche Notärzte empfehlen es Patienten mit Panikattacken. Die Wirkung ist innerhalb einer Minute spürbar: Ihr Herzschlag verlangsamt sich, Ihre Hände hören auf zu zittern. Üben Sie die Quadratatmung an ruhigen Tagen, damit sie in Krisensituationen automatisch abläuft.

Erdungstechnik 5-4-3-2-1: Benennen Sie fünf Gegenstände, die Sie sehen. Vier Geräusche, die Sie hören. Drei Berührungsempfindungen (wie sich Ihre Haut anfühlt). Zwei Gerüche. Einen Geschmack (Sie können einen Schluck Wasser trinken). Diese Übung holt Sie zurück in die Realität und befreit Sie aus dem Gefühlschaos. Sie ist besonders wirksam bei Dissoziation (einem Gefühl der Unwirklichkeit) oder Angstattacken. Deutsche Psychotherapeuten wenden sie bei Patienten mit PTBS an. Sie können sie diskret durchführen: Zählen Sie einfach im Kopf. Nach 2-3 Minuten lässt die Intensität der Emotionen um 50-70 % nach.

Die Eiswassertechnik. Wenn Sie von Wut oder Panik überwältigt werden, gehen Sie zum Waschbecken, drehen Sie das kalte Wasser auf und halten Sie Ihre Handgelenke 30 Sekunden lang unter den Strahl. Waschen Sie sich anschließend das Gesicht oder legen Sie sich eine Packung gefrorenes Gemüse auf die Wangen. Die Kälte aktiviert den Tauchreflex: Der Herzschlag verlangsamt sich, und das Blut strömt ins Gehirn. Es ist wie ein physiologischer Reset. In Deutschland, wo viele Haushalte über separate Gefrierschränke verfügen, ist diese Methode leicht zugänglich. Sie wirkt innerhalb von 10–20 Sekunden. Kein Wunder also, dass Polizei und Psychiater Kälte einsetzen, um gewalttätige Patienten zu beruhigen.

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