Die „Dritte-Perspektive“-Technik: Wenn du in Selbstkritik versunken bist, stell dir vor, du betrachtest die Situation aus der Vogelperspektive oder mit den Augen eines Außenstehenden. Was sieht dieser? Meistens sieht er jemanden, der sich anstrengt, müde und gestresst ist, aber trotzdem weitermacht. Nicht den „Verlierer“, den du siehst. Diese distanzierte Perspektive reduziert die emotionale Intensität und ermöglicht dir, die Situation objektiver zu beurteilen. In der deutschen kognitiven Therapie heißt dies „Perspektivwechsel“ und wird zur Behandlung von Depressionen und Angstzuständen eingesetzt.
An dir selbst zu arbeiten bedeutet auch, soziale Vergleiche zu vermeiden. Wir vergleichen unser reales Leben mit dem bearbeiteten Instagram-Profil unseres Nachbarn, unsere Müdigkeit mit der Energie eines Kollegen, der vielleicht auch gestresst ist. Der deutsche Psychologe Rolf Stern schlägt die Übung „Nur gestern und heute“ vor: Vergleiche dich nur mit deinem früheren Ich. Bin ich etwas besser als vor einem Monat? Habe ich auch nur einen kleinen Schritt nach vorn gemacht? Wenn ja, wunderbar. Wenn nicht, was kann ich morgen tun? Sich mit anderen zu vergleichen ist immer unfair, weil man sie nicht vollständig kennt.
Ein weiterer Aspekt: Erlauben Sie sich, auch mal unvollkommen zu sein. Sie müssen nicht in allem der Beste sein. Wählen Sie zwei oder drei Bereiche, in denen Sie glänzen möchten (Beruf, Familie, Hobbys), und erlauben Sie sich, in den anderen Bereichen auch mal durchschnittlich zu sein. In der perfektionistischen Kultur Deutschlands ist das revolutionär: Man muss nicht jede Woche die Fenster putzen, man muss nicht immer auf dem Laufenden sein, man muss nicht zu jeder Geburtstagsfeier eines Kollegen gehen. Delegieren Sie, vereinfachen Sie, sagen Sie Nein. Die Energie, die Sie durch das Aufrechterhalten eines perfekten Images sparen, können Sie für das wirklich Wichtige nutzen.
