Entspannte Kommunikation ist eine Reaktion auf die Informationsflut. Die Menschen haben genug von endlosen Chats mit 500 Nachrichten am Tag, von Emojis und dem Zwang, sofort antworten zu müssen. Der Trend geht zurück zu langen E-Mails, ungestörten Telefongesprächen und persönlichen Treffen. Einige deutsche Unternehmen haben den „E-Mail-freien Freitag“ eingeführt – freitags schreibt niemand geschäftliche E-Mails, sondern nur Anrufe oder kommuniziert privat. Und im Privatleben vereinbaren die Menschen „Ruhezeiten“ – zum Beispiel nutzt in der Familie niemand zwischen 20 und 21 Uhr Instant Messaging. Das mag in der ersten Woche umständlich erscheinen, doch dann merkt man, dass sich wichtige Dinge trotzdem in einem einzigen Anruf statt in hundert Nachrichten besprechen lassen.
Entschleunigtes Elternsein ist ein Trend, der unter deutschen Eltern immer beliebter wird. Anstatt ihr Kind in fünf Freizeitaktivitäten (Englisch, Karate, Klavier, Robotik, Schwimmen) anzumelden, nehmen sie sich Zeit für freies Spielen. Ohne Struktur, ohne Erwachsene, einfach im Garten herumtoben oder ein Zelt aus Stühlen bauen. Studien zeigen, dass diese Art des freien Spiels Kreativität, emotionale Intelligenz und Konfliktlösungsfähigkeit fördert. Überforderte Kinder werden zu ängstlichen Erwachsenen, die sich nicht selbst beschäftigen können. In Deutschland gibt es sogar eine „Risikospiel“-Bewegung, die Kindern erlaubt, gefährliche Dinge zu tun (auf Bäume klettern, mit Messern hantieren), damit sie lernen, Risiken einzuschätzen und nicht in einer Blase zu leben.
Entschleunigtes Arbeiten – die Prinzipien des entschleunigten Lebens in den Beruf integrieren. Das bedeutet nicht, weniger zu arbeiten. Es bedeutet, konzentriert und fokussiert zu arbeiten, ohne Multitasking. Programmierer, Autoren und Designer arbeiten zunehmend in Vier-Stunden-Blöcken ohne Meetings oder Benachrichtigungen. Viele Freelancer in Deutschland verzichten auf Stundensätze und arbeiten stattdessen projektbezogen – so können sie sich Zeit nehmen und qualitativ hochwertige Arbeit abliefern. Paradoxerweise verbringen sie dadurch sogar weniger Zeit mit Projekten, da sie nicht abgelenkt werden. Zum Slow Working gehören auch regelmäßige „meetingfreie Tage“ (in Startups bereits Standard) und „ruhige Morgenstunden“ (keine E-Mails vor 10 Uhr).
Slow Sex ist ein selten diskutiertes Thema, aber der Trend ist real. Statt geplanter Quickies oder Sex vor dem Schlafengehen, wenn beide müde sind, nehmen sich Paare einen ganzen Abend Zeit: Kerzen, Massagen, Gespräche und lange Zärtlichkeiten, ohne unbedingt zum Höhepunkt zu kommen. Deutsche Sexualtherapeuten beobachten eine steigende Nachfrage nach „achtsamer Intimität“. Es geht nicht um Technik, sondern darum, im Moment präsent zu sein. Studien zeigen, dass bereits eine solche „langsame“ Session pro Monat die Beziehungszufriedenheit stärker steigert als die Häufigkeit.
