Umweltfreundliche Renovierung ohne Kompromisse: So modernisieren Sie Ihr Zuhause, ohne die Umwelt (oder Ihren Geldbeutel) zu belasten.

von Rolf Schreiber

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Bei Farben sieht es anders aus. Die meisten modernen Dispersionsfarben enthalten Konservierungsmittel, die über Jahre hinweg Formaldehyd freisetzen. Mineralfarben auf Kaliumsilikatbasis (z. B. Keim) verbinden sich chemisch mit dem Untergrund, ohne einen Film zu bilden, und sind völlig unbedenklich. Ihr Nachteil ist die geringere Deckkraft und die Schwierigkeit, dunkle Farben abzutönen. Ein Kompromiss sind Farben mit der Kennzeichnung „VOC-frei“ und „ohne Formaldehydschutz“, wie beispielsweise die der deutschen Firmen Livos oder AURO. Diese basieren auf natürlichen Ölen und Harzen, benötigen aber länger zum Trocknen und kosten etwa 1,5-mal so viel wie Standardfarben. Nach Renovierungsarbeiten können Sie jedoch sofort einziehen, ohne wochenlang lüften zu müssen.

Auch die Küche birgt versteckte Gefahren. Billige MDF-Fronten mit Formaldehydharzen geben bereits bei Raumtemperatur Gase ab. Achten Sie auf Küchen mit der Zertifizierung „CARB Phase 2“ oder „F★★★★“ (Super E0) – diese garantieren, dass sie praktisch kein Formaldehyd abgeben. Deutsche Hersteller wie Nolte oder Häcker bieten solche Küchenlinien an, allerdings müssen Sie mit einem Aufpreis von etwa 20 % rechnen. Eine budgetfreundlichere Alternative ist der Kauf einer Massivholzküche aus Kiefer von IKEA (die Serie Kungsbacka beispielsweise besteht aus recyceltem Kunststoff und Holz) oder die Bestellung von Edelstahlschränken – diese sind langlebig und vollständig recycelbar.

Was tun mit alten Materialien bei Renovierungen? In Deutschland ist die Entsorgung von Bauschutt im Hausmüll verboten. Gebrauchte Lampen, Batterien, Farben und Lösungsmittel werden kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr bei Wertstoffhöfen angenommen. Eine interessantere Option ist jedoch die Spende brauchbarer Gegenstände über Plattformen wie eBay Kleinanzeigen oder zu verschenken. Türen, Fenster, Heizkörper, Fliesen – all das wird innerhalb eines Tages demontiert. Eine alte Eichentür, die Sie eigentlich wegwerfen wollten, könnte beispielsweise in einer Werkstatt als Werkbank dienen. Zwei Tonnen Recyclingmaterial sparen so viel CO₂ wie ein gepflanzter Baum in zehn Jahren.

Dämmung ist der energieeffizienteste Schritt, birgt aber auch ökologische Risiken. Expandiertes Polystyrol (bekannt als Styropor) wird aus fossilen Brennstoffen hergestellt und ist schlecht recycelbar. Alternativen sind Holzfaserplatten (Steico), Zellulosedämmung aus recyceltem Zeitungspapier, Hanf oder Schafwolle. Sie sind zwar 30–50 % teurer, aber atmungsaktiv, schrumpfen nicht und setzen im Brandfall keine Schadstoffe frei. Formaldehydfreie Steinwolle (wie z. B. Rockwool, mit dem Label „Green“) wird in Deutschland zunehmend für die Fassaden von Hochhäusern verwendet. Fragen Sie Ihren Bauunternehmer nach einem NaturePlus-Zertifikat – dies ist der Goldstandard für umweltfreundliche Dämmung.

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