Wie Sie Ihr Gehirn austricksen: Selbstmotivationstechniken, die trotz Faulheit funktionieren

von Rolf Schreiber

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Ihr Gehirn ist ein eher träges Organ. Evolutionär gesehen profitiert es davon, Energie zu sparen und Neues zu vermeiden. Jedes Mal, wenn Sie etwas Herausforderndes beginnen, schüttet Ihr Gehirn Cortisol aus und überzeugt Sie, dass es besser ist, auf dem Sofa zu bleiben. Doch Sie können es mit einfachen psychologischen Tricks austricksen. Diese Techniken erfordern keine Willenskraft – sie nutzen gängige Denkfehler (kognitive Verzerrungen) zu Ihrem Vorteil. In der angewandten Psychologie werden sie „mentale Judotricks“ genannt – Judotechniken gegen den eigenen Geist: Nutzen Sie die Stärke Ihres Gegners gegen ihn.

Die Technik des „öffentlichen Bekenntnisses“. Wenn Sie öffentlich versprechen, etwas zu tun, empfindet Ihr Gehirn das Scheitern als soziale Bedrohung. Und soziale Bedrohungen sind für es beängstigender als körperlicher Schmerz (MRT-Studien bestätigen dies). Sagen Sie also laut zu einem Kollegen oder Freund oder posten Sie in den sozialen Medien: „Ich werde diesen Bericht bis Freitag fertigstellen.“ Am besten ist es, ein konkretes Datum und eine Uhrzeit anzugeben. So motiviert dich dein Gehirn, Scham zu vermeiden. „Selbstverpflichtungen“ sind in Deutschland auf Plattformen wie Sticking Points beliebt – du wettest um Geld, das du verlierst, wenn du ein Versprechen nicht einhältst.

Die „Frühstücks-Technik“: Erledige die unangenehmste Aufgabe des Tages gleich in den ersten 30 Minuten nach dem Aufwachen. Solange dein Gehirn noch nicht ganz wach ist, hatte es noch keine Zeit, sich zu wehren. Außerdem sorgt die Erledigung der schwierigsten Aufgabe am Morgen für einen starken Dopamin-Kick, der dich den ganzen Tag über mit Energie versorgt. Die restlichen Aufgaben erscheinen dir dann leicht. Deutsche Unternehmer stehen oft eine Stunde früher auf, um die unangenehmste Aufgabe in Ruhe und ohne Ablenkung durch E-Mails und Anrufe zu erledigen. Versuche morgen früh nicht als Erstes aufs Handy zu schauen, sondern etwas zu tun, das du schon seit Wochen vor dir herschiebst.

Die „Detektiv-Technik“. Wenn Sie nicht anfangen können, weil Ihnen die Aufgabe überfordernd erscheint, stellen Sie sich vor, Sie wären ein Detektiv, der einen Fall untersucht. Ihr Ziel ist nicht, das Problem zu lösen, sondern Hinweise zu sammeln. Was weiß ich über diese Aufgabe? Was muss ich lernen? Was sind die ersten drei naheliegendsten Schritte? Der Wechsel vom „Täter“ zum „Ermittler“ reduziert den emotionalen Druck. Das Gehirn bevorzugt Neugier gegenüber Verantwortung. Sagen Sie sich: „Ich werde das nicht tun, ich schaue mir erst einmal an, worum es geht.“ Eine investigative Denkweise nimmt Ihnen die Angst vor dem Scheitern.

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