Mikrogewohnheiten: Wie einminütige Veränderungen Ihr Leben innerhalb eines Monats verändern können

von Rolf Schreiber

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Wir sind es gewohnt zu denken, dass Veränderungen Willenskraft, eiserne Disziplin und große Opfer erfordern. Doch die Forschung zeigt das Gegenteil: Die nachhaltigsten Veränderungen entstehen durch winzige Schritte, die kaum Anstrengung kosten. Eine Mikrogewohnheit ist eine Handlung, die weniger als eine Minute dauert und weniger als 10 % Ihrer Willenskraft beansprucht. Beispiele: eine Kniebeuge nach dem Duschen, eine Zeile im Tagebuch, ein Schluck Wasser vor jeder Mahlzeit. Diese Handlungen allein verändern nichts. Aber sie schaffen ein System, das Ihr Gehirn neu vernetzt. In Deutschland machte der Psychologe Jens Korte die Mikrogewohnheitsmethode bekannt, und Tausende von Menschen haben mit „Baby Steps“ bereits ihre Aufschieberitis überwunden.

Warum funktionieren Mikrogewohnheiten, wo große Pläne scheitern? Weil ein großes Ziel das Gehirn überfordert und einen Schutzmechanismus aktiviert. Eine Mikrogewohnheit hingegen erzeugt keinen Widerstand. Sie denken nicht: „Oh nein, jetzt muss ich eine Stunde Sport machen.“ Sie machen einfach einen Liegestütz. Und wenn du danach Lust auf eine weitere hast, kannst du sie machen. Aber selbst wenn nicht, hast du schon gewonnen, weil du dein Versprechen an dich selbst gehalten hast. Die wichtigste Regel: Erzwinge niemals ein Wachstum einer Mikrogewohnheit. Halte sie winzig klein. Das ist ihre Stärke.

Wie implementiert man eine Mikrogewohnheit? Verwende die Formel: „Nachdem ich [bestehendes Ritual] durchgeführt habe, werde ich [Mikrogewohnheit] durchführen.“ Zum Beispiel: „Nachdem ich mir die Zähne geputzt habe, mache ich eine Kniebeuge.“ „Nachdem ich mir meinen Morgenkaffee eingeschenkt habe, schreibe ich einen Satz in mein Tagebuch.“ „Nachdem ich abends meinen Laptop zugeklappt habe, lese ich eine Seite in einem Buch.“ Ein bestehendes Ritual dient als Anker, der dich an eine neue Handlung erinnert. Du brauchst keinen Wecker zu stellen oder einen Haftzettel zu kleben – verknüpfe einfach das Neue mit dem Alten. Deutsche Pünktlichkeit ist hier von Vorteil.

Die beliebtesten Mikrogewohnheiten in Deutschland sind: „Eine Minute Stille“ nach dem Aufwachen, „Ein Dankeschön“ vor dem Schlafengehen (schreiben Sie auf, wofür Sie dankbar sind), „Ein Glas Wasser“ vor jeder Mahlzeit, „Eine ausgiebige Dehnung“ stündlich, „Ein Satz auf Deutsch“ (für Sprachlernende). Diese Gewohnheiten mögen bedeutungslos erscheinen, aber sie schaffen neuronale Verbindungen. Nach einem Monat greifen Sie automatisch zum Wasser, weil Ihr Gehirn das Muster verinnerlicht hat. Und mit einem Satz pro Tag verfügen Sie innerhalb eines Jahres über 365 Sätze – den Wortschatz für ein einfaches Gespräch.

Mikrogewohnheiten sind besonders effektiv, um Faulheit im Gesundheitsbereich zu bekämpfen. Anstatt sich vorzunehmen, dreimal pro Woche ins Fitnessstudio zu gehen (und nach zwei Wochen aufzugeben), beginnen Sie damit, „jeden Tag Ihre Sportkleidung anzuziehen“. Nicht trainieren, sondern nur anziehen. Klingt komisch? Aber wenn Sie erst einmal in Ihrer Sportkleidung sind, fallen Ihnen ein paar Übungen viel leichter. Ein weiteres Beispiel: Anstatt „Zweimal täglich drei Minuten lang Zähne putzen“, beginnen Sie damit, „die Zahnbürste zehn Sekunden lang im Mund zu behalten“. Du putzt dir wahrscheinlich trotzdem gründlich die Zähne, weil die Zahnbürste ja schon im Mund ist. Eine Mikrogewohnheit ist eine Ausrede für Faulheit.

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